Universitätsspital Basel
simBa Schweizerisches Zentrum für medizinische Simulation

TOSIM

TOSIM - Training on the Spot Simulation

Themenzentrierte Simulation im OP
Die Fallzahlen der regulären Anästhesieleistungen stagnieren (2004: 13645, 2007:13793, Quelle Daten und Fakten, Jahresbericht USB). Bei aktuell 35 Assistenzarztstellen für den USB-Betrieb (44 Vollstellen; OIB, Forschung und externe AA nicht miteingerechnet) entspricht dies bei 230 Arbeitstagen 1,7 Anästhesien pro Arbeitstag. Gleichzeitig ist die Anzahl der Auszubildenden stärker gestiegen als die Anzahl der Oberärzte, was eine Verminderung der Kontaktzeit OA pro AA bedeutet. Die Anzahl Notfälle steigt im gleichen Zeitraum von 3411 auf 4597, doch bekanntlich ist das Aufkommen an Notfällen in den minderbesetzten Randzeiten überproportional erhöht. Damit profitieren nur wenige Fortzubildende. Aufgrund dieser Zahlen kommt ein Assistent in 5 Jahren auf rund 2300 Anästhesien. Mit Erwerb des Anästhesietitels soll der frischgebackene Anästhesist fähig sein, auch unerwartete und seltene Situationen kompetent zu managen. Insbesondere auch dann, wenn ein Nicht-Beherrschen der Situation zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Patienten führen kann. Als Beispiel zählt das erfolgreiche Management einer cannot ventilate/cannot intubate - Situation, obwohl die Inzidenz (0.2 bis 2 auf 10000 Anästhesien, Anaesthesia & Analgesia 2005) so klein ist, dass der Auszubildende möglicherweise keine solche Situation auch Jahre nach Abschluss der Weiterbildung zu meistern hat. In Simulationen können diese Raritäten nachgebildet und sichere Lösungsansätze repetitiv trainiert werden. In der Luftfahrt ist es unbestritten, Risikosituationen regelmässig am Simulator zu üben.
Allgemein wird angenommen, dass in Stresssituationen mehr Fehler begangen werden. Bereits das aktive Wissen um dieses erfolgreiche Management wirkt stressreduzierend. Ein Zurückgreifen auf Bekanntes und vielfach Eingeübtes hilft dem Management in einer Krisensituation. Sowohl das Einüben von Raritäten durch das Simulationstraining als auch "Stress im Simulator" kann demnach weniger Fehler im Ernstfall bedeuten. Erschwerend kommt heute hinzu, dass ein Üben "on the job" seitens unserer Patienten immer weniger akzeptiert wird. Piloten üben im Simulator soweit, dass sie dann bereits Fluggäste transportieren, wenn sie zum ersten Mal real mit der grossen Maschine fliegen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Mensch das Gelernte in der Wirklichkeit auch anwendet, wenn er es zuvor bereits im Simulator angewandt hat.
Die medizinische Simulation wird in unserem Departement schon beinahe 20 Jahren mitgeprägt. Dieses Fachwissen soll auch den weiterzubildenden Assistenzärzten im eigenen Haus einfacher zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus können Forschungsthemen Stressmanagement, Teaminteraktionen, Risk-Management und Patientensicherheit wissenschaftlich evaluiert werden.
Drei bis sechs Mitarbeiter des Departements Anästhesie werden mit verschiedenen, auf einem vorgegebenen Grundthema (Modul 1 Atemwegsmanagement) basierende Szenarien, konfrontiert. Diese dauern jeweils ca. 15 Minuten, gefolgt von 30min Debriefing, sowohl zu den fachspezifischen Aspekten wie auch den sogenannten Non-technical skills. Mit unserem mobilen wireless Simulator SimMan 3G kann in jeder Vorbereitung oder jedem leerstehenden OP (Ost und OP K1-West) trainiert werden. Durch diese OP-Nähe - Training on the Spot - können die lokalen Gegebenheiten besser eingebunden werden. Ziel ist, alle Assistenten und Pflegefachkräfte jährlich mindestens eine solche Trainingseinheit besuchen zu lassen. 
Nach Abschluss einiger Pilot-Sessions soll über eine dauerhafte Integration solcher Trainings in den Routinebetrieb entschieden werden. Eine Teilnahme ist vorerst auf freiwilliger Basis möglich.
Projektteam:
Dr. med. Sonja Trüstedt
Dr. med. Stefan Gisin
Prof. Dr. med. Wolfgang Ummenhofer
Prof. Dr. med. Albi Urwyler

Wenn Ihr Fragen habt benutzt bitte unser Kontaktformular.